
Die besten Faktencheck-Tools sind kostenlos, funktionieren im Browser und brauchen weniger als zwei Minuten. Dieser Guide stellt die zuverlässigsten nach Kategorie vor — was jedes Tool kann, wo es an Grenzen stößt und wann du es einsetzt.
Rückwärtsbildsuche
Die Rückwärtsbildsuche ist die wirksamste Schnellprüfung für virale Fotos. Du lädst ein Bild hoch oder fügst eine URL ein, und die Suchmaschine gibt jede indexierte Instanz dieses Bildes oder visuell ähnlicher Bilder zurück — und zeigt damit frühere Erscheinungen, Originalkontext und Falschzuschreibungen.
Google Images
Was es tut: Gleicht Bilder mit Googles Web-Index ab. Zugänglich über images.google.com — auf das Kamera-Symbol klicken, um ein Bild hochzuladen oder eine URL einzufügen. In Chrome: Rechtsklick auf ein beliebiges Bild und “Bild mit Google suchen” wählen.
Was es gut kann: Breite Abdeckung englischsprachiger Web-Inhalte; findet zuverlässig Nachrichtenartikel, die dasselbe Foto verwendet haben. Besonders gut bei Bildern, die in Mainstream-Medien erschienen sind.
Was es nicht kann: Google Images ist schwach bei Bildern, die primär auf geschlossenen Plattformen (Telegram, WhatsApp-Gruppen, Weibo) kursierten oder die aus der Zeit vor der breiten Web-Indexierung stammen. Bei stark beschnittenen oder gefilterten Versionen eines Originals versagt es ebenfalls.
TinEye
Was es tut: TinEye ist auf exaktes und nahezu exaktes Bild-Matching spezialisiert, mit einer Datenbank von über 62 Milliarden indexierten Bildern (Stand 2025). Anders als Google sortiert TinEye Ergebnisse chronologisch — so findest du das früheste bekannte Auftreten eines Bildes im Netz.
Was es gut kann: Die Originalquelle und das Erscheinungsdatum eines Fotos ermitteln. Die “Älteste zuerst”-Sortierung ist besonders nützlich, um Bilder zu entlarven, die als aktuell präsentiert werden, tatsächlich aber Jahre alt sind.
Was es nicht kann: TinEye crawlt Social-Media-Plattformen nicht in Echtzeit. Bilder, die kürzlich viral gingen und dann verschwanden, sind möglicherweise noch nicht indexiert.
Yandex Images
Was es tut: Yandex Images verwendet einen anderen Index als Google, mit deutlich stärkerer Abdeckung osteuropäischer, russischer und zentralasiatischer Web-Inhalte. Bedienung über dieselbe Kamera-Symbol-Oberfläche.
Was es gut kann: Yandex ist bei der Suche nach Originalquellen von Fotos aus russischsprachigen Medien oder Plattformen aus dieser Region konstant effektiver als Google — eine relevante Fähigkeit angesichts des Volumens an Konfliktbildmaterial aus diesen Regionen. Journalistinnen und Journalisten bei Bellingcat haben dokumentiert, dass Yandex Quellen findet, die Google nicht liefert.
Was es nicht kann: Bei englischsprachigen und westeuropäischen Inhalten schwächer als Google. Yandex als Ergänzung einsetzen, nicht als Ersatz.
Best Practice: Alle drei Engines parallel nutzen. Die Überschneidungen und Lücken zwischen den Ergebnissen sind selbst aufschlussreich. Für einen Schritt-für-Schritt-Workflow lies unseren Rückwärtsbildsuche-Guide →.
Quellenprüfung
Um zu beurteilen, ob eine Website glaubwürdig ist, muss man wissen, wem sie gehört und welchen Track Record sie hat. Zwei Tools erledigen das schnell und kostenlos.
Media Bias / Fact Check
Was es tut: Media Bias / Fact Check (MBFC) bewertet über 5.000 Nachrichtenquellen auf einer Links-Rechts-Bias-Skala und einer separaten Faktentreue-Skala (Very High / High / Mixed / Low / Very Low / Conspiracy). Jeder Eintrag enthält ein kurzes redaktionelles Profil und konkrete Beispiele veröffentlichter Inhalte, die die Bewertung beeinflusst haben.
Was es gut kann: Schnelles Nachschlagen unbekannter Quellen. Besonders nützlich, um Medien zu identifizieren, die seriöse Berichterstattung mit gelegentlicher Fehlinformation mischen (die Kategorien “Mixed” und “Mostly Factual”), gegenüber solchen, die strukturell unzuverlässig sind.
Was es nicht kann: MBFC ist eine von Menschen gepflegte Datenbank mit Rückstand — neuere oder kleinere Outlets sind möglicherweise nicht gelistet. Bewertungen spiegeln auch den allgemeinen Track Record eines Mediums wider, nicht einen einzelnen Artikel. Eine mit “High” bewertete Quelle kann Einzelfehler machen; eine “Low”-Quelle kann gelegentlich richtigliegen. MBFC als Vorprüfung behandeln, nicht als Urteil.
WHOIS-Abfrage
Was es tut: Eine WHOIS-Abfrage offenbart Domain-Registrierungsdaten — wer eine Domain registriert hat, wann und bei welchem Registrar. Kostenlose Tools sind ICANN Lookup und DomainTools.
Was es gut kann: Kürzlich registrierte Domains entdecken, die als etablierte Nachrichtenorganisationen auftreten. Eine Seite, die behauptet, ein “seriöses Regionalmedium” zu sein, aber vor sechs Wochen registriert wurde, ist ein deutliches Warnsignal. Nützlich auch zur Erkennung von Domain-Spoofing — nahezu identische Domains, die echte Medien imitieren (z. B. abcnews.com.co statt abcnews.com).
Was es nicht kann: Die meisten Domains nutzen inzwischen WHOIS-Datenschutz, der Registrierungsdaten durch eine Proxy-Adresse ersetzt. Eine verschleierte Registrierung ist selbst kein Beleg für böse Absichten — viele legitime Seiten nutzen Datenschutzoptionen — schränkt die Nützlichkeit des Tools für die Attribution aber ein.
Faktencheck-Datenbanken
Bevor du Zeit in eigene Recherche investierst, prüf, ob eine Behauptung bereits untersucht wurde. Professionelle Faktencheckerinnen und Faktenchecker von verifizierten Organisationen veröffentlichen ihre Ergebnisse öffentlich und durchsuchbar.
Snopes
Snopes ist die älteste kontinuierlich betriebene Faktencheck-Website im Netz, aktiv seit 1994. Sie behandelt urbane Legenden, virale Social-Media-Behauptungen und politische Fehlinformation mit dokumentierter Methodik. Verdictkennzeichnungen sind u. a. True, False, Mixture, Unproven und Outdated — letztere besonders nützlich, da viele virale Behauptungen aus früheren Nachrichtenzyklen recycelt werden, in denen sich die ursprünglichen Fakten geändert haben.
PolitiFact
PolitiFact konzentriert sich auf US-amerikanische politische Behauptungen und nutzt eine sechsstufige “Truth-O-Meter”-Skala von True bis Pants on Fire. Es ist ein Projekt des Poynter Institute und Unterzeichner des International Fact-Checking Network (IFCN) — was bedeutet, dass seine Methodik unabhängig geprüft wurde.
Full Fact
Full Fact prüft britische politische und gesundheitsbezogene Behauptungen und veröffentlicht ein Open-Source-Monitoring-Tool. Wie PolitiFact ist Full Fact IFCN-Unterzeichner.
Correctiv
Correctiv ist Deutschlands führende investigative Recherche- und Faktencheck-Organisation. Die Faktencheck-Rubrik deckt deutschsprachige Behauptungen ab und ist besonders stark bei politischer Fehlinformation, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz kursiert. Für den deutschsprachigen Raum ist Correctiv die erste Anlaufstelle.
AFP Fact Check
AFP Fact Check veröffentlicht in mehreren Sprachen und deckt globale Behauptungen ab — stark bei frankophonen und internationalen Inhalten, bei denen englischsprachige Faktenchecker nur begrenzte Reichweite haben.
Datenbankübergreifende Suche: Der Google Fact Check Explorer aggregiert Behauptungen von IFCN-Unterzeichnern weltweit, durchsuchbar nach Stichwort. Er ist der schnellste Einstiegspunkt, um zu prüfen, ob eine Behauptung bereits von einem verifizierten Faktenchecker untersucht wurde.
Video- und Deepfake-Verifikation
Videomanipulation ist schwerer zu erkennen als Bildmanipulation, und das Toolset entwickelt sich schnell. Zwei Tools sind für Nicht-Spezialisten nach wie vor am praktischsten.
InVID / WeVerify
InVID / WeVerify ist ein Browser-Plugin (Chrome/Firefox), das von einem Konsortium europäischer Forschungseinrichtungen mit EU-Förderung entwickelt wurde. Es erlaubt das Extrahieren von Keyframes aus Videos, das Durchführen von Rückwärtsbildsuchen auf einzelnen Frames, die Prüfung von Video-Metadaten und die Analyse von Geolokalisierungshinweisen. Professionelle Faktencheckerinnen und investigative Journalistinnen setzen es standardmäßig ein.
Was es gut kann: Videos in durchsuchbare Frames zu zerlegen ist InVIDs Kernstärke. Ein manipuliertes Video kann authentisches Material in falscher Reihenfolge verwenden — eine Frame-Rückwärtssuche deckt das auf, wo eine Suche nach dem Gesamtvideo nichts liefern würde.
Was es nicht kann: InVID führt keine KI-basierte Deepfake-Erkennung durch. Es ist ein Provenienz- und Kontexttool, kein Detektor für synthetische Medien.
Deepware Scanner
Deepware Scanner analysiert hochgeladene oder per URL eingereichte Videos auf Indikatoren für KI-generierte Gesichtssynthese. Er gibt einen Wahrscheinlichkeitswert zurück, kein binäres Urteil.
Was es gut kann: Hochriskante Videos screenen, bei denen Gesichtsmanipulation vermutet wird — politische Reden, angebliche Prominenten-Statements, fabrizierte Geständnisvideos. Der kostenlose Tarif reicht für die meisten Anwendungsfälle.
Was es nicht kann: Deepware hat wie alle aktuellen Deepfake-Detektoren nennenswerte Fehlerquoten in beide Richtungen. Ein “niedrige Wahrscheinlichkeit”-Ergebnis bestätigt keine Authentizität; es bedeutet nur, dass der Detektor die spezifischen Artefakte, auf die er trainiert ist, nicht gefunden hat. Als einen Datenpunkt in einem breiteren Verifikationsprozess verwenden, nicht als abschließenden Befund. Den vollständigen Deepfake-Erkennungsworkflow findest du im Deepfake-Erkennungs-Guide →.
Archiv- und Snapshot-Tools
Gelöschte Inhalte sind nicht verschwunden. Archivtools ermöglichen den Zugriff auf frühere Versionen von Webseiten, die Prüfung, was eine Seite vor einer Bearbeitung oder Löschung veröffentlicht hat, und die Sicherung von Belegen, bevor sie verschwinden.
Wayback Machine
Die Wayback Machine des Internet Archive hat seit 1996 über 860 Milliarden Webseiten gecrawlt und archiviert. Gib eine beliebige URL ein, um einen Kalender archivierter Snapshots zu sehen. Sie ist unverzichtbar, um zu prüfen, ob eine Website ihren Inhalt nach der Veröffentlichung geändert hat, um gelöschte Seiten aufzurufen und um zu bestätigen, was ein Medium ursprünglich berichtet hat, bevor es eine stille Korrektur vornahm.
Die Wayback Machine nimmt auch manuelle Speicheranfragen über web.archive.org/save entgegen — nützlich, um Belege für Fehlinformationen zu sichern, bevor sie entfernt werden.
archive.ph
archive.ph (auch zugänglich als archive.today) erstellt auf Anfrage Snapshots von Webseiten und rendert dabei auch JavaScript-lastige Inhalte, die die Wayback Machine manchmal nicht korrekt erfasst. Anders als der automatisierte Crawl der Wayback Machine werden archive.ph-Snapshots manuell ausgelöst und sind sofort über eine permanente URL abrufbar. Nützlich, um Belege für eine bestimmte Behauptung zu teilen, die später möglicherweise gelöscht wird.
Für einen integrierten Faktencheck-Workflow, der all diese Tools zusammenführt, bietet der SIFT-Methoden-Guide → einen strukturierten Entscheidungsbaum. Alle hier aufgelisteten Tools sind für den alltäglichen Verifikationsbedarf kostenlos nutzbar. Dokumentierte Fallstudien, die diese Tools in der Praxis zeigen, findest du in der Fake-News-Datenbank →. Den vollständigen Lernpfad findest du im Medienkompetenz-Hub →.